Mein Leben als Cheerleader

Das hier wird gegebenenfalls der längst und persönlichste Blogpost, den ich je schreiben werde.
Viele denken bei Cheerleading an PomPoms und viel nackte Haut. Nun. Das ist teils so, muss ich leider sagen.
PomPoms gehören zu Sideline Cheerleadern, die am Spielfeldrand stehen und das Publikum unterhalten. Viel nackte Haut? Ansichtssache. Es sind kurze Hosen oder Röcke mit (häufig) bauchfreien Oberteilen. Aber das Leben als Cheerleader bietet so viel mehr.

Die Vorurteile

Ganz ehrlich: Es gibt unendlich viele. Angefangen vom Gerücht, sie seien leicht zu haben bis hin zu: “Männliche Cheerleader sind schwul” gibt es alles. Es ist wirklich nicht schön mit so vielen negativen Vorurteilen begrüßt zu werden, sobald man erzählt man gehöre einem Cheerteam an. Cheerleading ist so viel mehr als doofes rumgehopse. Ich möchte diesen Post nicht mit negativen Gedanken zu müllen, sondern euch versuchen zu erklären, wieso Cheerleading jahrelang so eine große Position in meinem Leben gespielt hat.

Wie kommt man dazu Cheerleader zu werden?

Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht mehr wieso ich genau angefangen habe. Ich erinnere mich daran, dass eine damalige Freundin von mir, Luisa, die Idee hatte ein Team für das Football-Team in meinem Örtchen zu eröffnen. Ihr Freund spielte damals dort. Und aus dieser spontanen Idee entwickelte sich bei mir eine gigantische Leidenschaft.

Angefangen hat es also bei den Friedberger Panthers.
Friedberg Panthers

Nachdem wir anfangs als Sideline Cheerleader gecheert haben, gingen nach und nach immer mehr Mädels aus dem Team. Irgendwann kamen einige Footballer zu uns und wir wurden ein Coed Team, also ein Team mit Jungs und Mädchen. (Ja, sowas gibts und nein es ist nicht schwul)
Ich wurde als Base abgelöst, also hebte nicht mehr die Personen, die oben standen, sondern stand selbst oben. Ich war Flyer. Ein Bild von meinen Versuchen gibt es natürlich auch:

Friedberg Panthers: Misssinabambina als Fyler

Mich griff der Ehrgeiz. Ich wollte besser werden, mehr lernen, mehr können. Einfach mehr. Mehr Cheerleading.
Dafür dehnte ich mich teilweise täglich und Gott, das waren Qualen.

Nach und nach lösten sich die Panthers leider auf und ich verließ das Team und ging zu den , wieder als Frankfurt Pirates Sideline Cheerleader. Dort knüpfte ich Kontakt zu einem Mädchen, der bis heute hält und das obwohl wir später in verschiedenen Teams waren.
Frankfurt Pirates Cheerleader
Frankfurt Pirates Cheerleader

Irgendwann war mir das Leben als Sideline Cheerleader einfach zu blöd. Ich fand Pyramiden toll und wechselte den Verein. Zur Eintracht Frankfurt. Ja, auch sie haben Cheerleader und verdammt, wir waren wirklich gut. Ich trat auf mehreren Meisterschaften an und wir gewannen verschiedene Pokale.
Für mich waren die Meisterschaften eine komplette Umstellung, ich war den Druck nicht gewohnt, aber ich genoss ihn. Es gab Tage, an denen hasste ich den Sport und Tage, an denen konnte ich nicht anders als dauerhaft zu grinsen trotz dauerhafter Ellbogen im Gesicht und blaue Flecken. Man trainiert monatelang für 2 Minuten 30 Sekunden. Dann ist alles entschieden. Wird man Regionalmeister? Schafft man es auf die deutsche Meisterschaft?
Cheerleading ist ein unglaublich spannender Sport, gefüllt mit Adrenalin und Vertrauen.
Eintracht Frankfurt Cheerleader
Eintracht Frankfurt Cheerleader
Eintracht Frankfurt Cheerleader
Eintracht Frankfurt Cheerleader

Wieso ich aufhören musste

Zeit. Geld. Weg. Gebunden sein. All das war für mich irrelevant. Ich zahlte gerne viel, wirklich viel Geld fürs Cheerleading und nahm die 30km dreimal die Woche ins Training gerne in Kauf. Es gab für mich nichts schöneres!
Doch irgendwann konnte ich nicht mehr. Körperlich ging es mir immer schlechter. Kein Wunder. In meiner Laufbahn als Cheerleader riss ich mir einmal die Bänder, brach mir beide Daumen, verletzte beide Handgelenke und meine Knie taten einfach nur noch weh. Ein Spaziergang oder eine Autofahrt waren unendlich schmerzhaft und auch heute, drei Monate nachdem ich die Eintracht verließ, habe ich immer noch Beschwerden.
Würde ich es wieder tun? Jederzeit.

Cheerleading ist und bleibt für mich D I E Sportart, mir fiel es nie so schwer etwas so wichtiges aufzugeben. Aber auf lange Sicht war es wohl oder übel die bessere Entscheidung. Die sinnvollere. Trotzdem blutet mir jedes Mal das Herz, wenn ich irgendwo “Eintracht Frankfurt Cheerleader” lese oder auf Instagram ein Bild von meinen alten Teamkollegen sehe. Ich vermisse es. Ich vermisse es furchtbar, doch ich musste aufhören. Leider.

Für jeden, der mehr davon wissen will, findet auf dieser Seite alle Informationen. Und jeder, der gut recherchieren kann, findet dort auch Videos von mir als ich bei der Eintracht war. Two Thirty. Zwei Minuten Dreißig. Unser Herz schlägt Cheerleading. Meins wird es immer tun.

7 Kommentare zu „Mein Leben als Cheerleader“

  1. Sehr schöner Text, ich glaub dir, dass es dir schwer fiel aufzuhören, aber wer weiß, was die Zukunft bringt :b

    1. Misssinabambina

      Hi Malena, wieso durftest du denn nicht?
      Wenn du immer noch daran interessiert bist, schau dich doch mal um. Es gibt massig Cheerleaderteams in Deutschland 🙂

      Liebe Grüße

  2. Isabello.loves

    Liebe Sina,
    Dein Blogbeitrag ist wirklich toll geschrieben ! Ich hoffe dir geht es bald wieder besser.
    Alles Liebe Isa

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